4K? Das geht ja einfach!

Als wir vor einigen Wochen sahen, dass die Firma Nanotech Entertainment einen 4K-Player um unter 700 Dollar anbietet, der darauf gespeichertes Footage gleich nach dem Boot-Vorgang automatisch abspielt, mussten wir auf der Stelle zugreifen.

Der Nuvola NP-H1 ist nichts anderes als ein kleiner PC auf dem wahlweise Linux Ubuntu oder Windows 7 vorinstalliert ist, der aber die notwendigen Teile auf kleinstem Raum vereint und dazu auch moderat gut aussieht. Da die Linux-Variante um 100 Dollar günstiger ist als die Windows-Variante und Christoph eine allgemeine Abneigung gegen Microsoft-Produkte hegt, entschieden wir uns also für die Erstere.

noh1

Gleich nach der Ankunft des NP-H1 bespielten wir es mit den Ergebnissen unseres letzten 4K-Drehs und schlossen die Box an unser 39 Zoll-Seiki-Display an. Das Ergebnis war beeindruckend – eine Plug-and-Play-Lösung für 4K-Video. Einige Tage später kam schon die nächste Akquisition ins Haus – ein 50-Zoll 4K Display von HiSense. Die logische Konsequenz war selbstverständlich, sofort den NP-H1 an das neue Gerät anzuhängen – mit ernüchternden Ergebnissen. Anstatt der erwarteten 2160p zeigte das Display nur 1080p an. Und hier begann die Odyssee.

Wir versuchten es mit verschiedenen HDMI-Kabeln, um hier Fehler auszuschließen. Ohne Ergebnis. Wir probierten alle HDMI-Eingänge des Displays durch, da die HiSense-Displays nur auf einem HDMI-Ausgang zu 4K-Wiedergabe fähig sind. Wieder ohne Ergebnis. In den Display-Einstellungen von Ubuntu war klar zu sehen, dass das 4K-Display nur zu einer maximalen Auflösung von 1920×1080 fähig war.

Mail Attachment

Die nächste logische Konsequenz war also, dass das Display einfach kein 4K-Display war. Am neuen Mac Pro angeschlossen war 4K jedoch plötzlich kein Problem mehr. Damit blieb nur noch der Player. Also wandten wir uns an die Support-Mitarbeiter von Nanotech Entertainment. Nach einigen Tests erklärten Sie uns, dass es offensichtlich Probleme mit der HDMI-EDID-Erkennung der Hisense-Displays unter Linux gäbe. Also gab es Fehler in der Firmware des Displays, das unter Ubuntu einfach falsche Informationen über die Identität des Displays und die unterstützten Auflösungen an den Player sendet. Die einzigen Lösungen, die uns von Seiten des Nanotech Entertainment-Supports geraten wurde, war das Umsteigen auf Windows 7 oder das hinzufügen von verschiedenen Video-Modi über den xrandr-Befehl in Linux. Zu diesem Zeitpunkt übergab Christoph das Problem aufgrund der zuvor erwähnten Abneigung gegen Microsoft-Produkte an mich.

Obwohl ich bekennender Windows-User bin, versuchte ich es unter minimalem Protest erst mit dem xrandr-Befehl. Nach dem Durchforsten unzähliger Blogs zu dem Thema und multiplen Fehlversuchen schaffte ich es endlich einen Displaymodus mit 3840x2160px bei 30Hz hinzubekommen. Auch wenn die Freude nicht lang anhielt, da das Bild zwar als 3840×2160 angezeigt und auch in der Liste der Bildschirmauflösungen aufgelistet war, es aber so aussah, als wäre das ursprüngliche 1080p-Signal mit Interpolation zu 2160p aufskaliert worden. Kurz: hässlich. Also auch keine Lösung – dann also Windows. Ein schwarzer Tag für MXR Productions.

Gesagt getan – Windows 7 aquiriert, NP-H1 aufgeschraubt, Festplatte ausgetauscht, externer DVD-Reader angeschlossen und schon hatten wir Windows auf dem 4K-Player. Da ich auch privat nicht den Windows Media Player verwende installierte ich den allseits bekannten VLC-Player, um möglichen Geschwindigkeitseinbussen vorzubeugen.  Die Leute von Nanotech Entertainment versorgten uns praktischerweise mit einem (fast) vollständigen Treiberpaket und kurz darauf war der Windows-4K-Player einsatzbereit. Theoretisch. Wir hatten ein 4K-Signal und dieses wurde auch auf dem Hisense angezeigt. Ein Schritt in die richtige Richtung.

Als wir dann endlich das Footage am Hisense zum Laufen gebracht hatten, kam die nächste Ernüchterung: Egal welchen Wiedergabemodus wir im VLC-Player versuchten, es gab immer extremes Tearing im Footage. Die einzige Kombination war die Option, DirectX als Ausgabemodul zu verwenden und hardwarebeschleunigte YUV-zu-RGB-Umwandlung zu aktivieren. Hier wurde das Footage ohne Ruckler oder Tearing abgespielt – aus irgendeinem Grund wurden aber der Rot- und der Blaukanal vertauscht. Auch mit diesem Problem wandte ich mich wieder an den Support von Nanotech Entertainment. Von Ihnen bekam ich dann den Tipp es doch Windows-Media-Player zu verwenden, jedoch den externen En- und Decoder “LavFilters” zu installieren. Gesagt, getan, selbes Problem. Nach dem erneuten Durchforsten verschiedener Blogs kam ich dann endlich auf das Programm “Win7DSFilterTweaker”, welches die vorher installierten Codecs auch den verschiedenen File-Typen zuordnet, falls LavFilters trotz Administratorenberechtigung es nicht schafft, diese zu registrieren. Was offensichtlich der Fall war. Und siehe da, 4K war abspielbar. Und das schön. Also normal. Eigentlich so, wie es eben immer sein sollte.

Dann gab es nur noch die kleine Hürde zu nehmen, dass das File beim Start des PCs auch automatisch abgespielt werden sollte. Also einmal eine Verknüpfung ins Autostart-Menü verschoben und fertig. Fast. Da der Windows Media Player im Gegensatz zum VLC-Player nicht die Möglichkeit unterstützt, im Vollbildmodus zu starten, musste noch eine kleine .bat-Datei geschrieben werden, die dies ermöglicht. Und endlich war es so weit. Die Hürden waren genommen, die Odyssee vorüber. Ich konnte mit einem 4K-Player auf einem 4K-Display 4K abspielen. So einfach sollte es immer sein.

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